sptbrgndr


6.9.2016

Schlechte Weinbücher I

Bildungshungrig wie ich bin, habe ich kurzerhand beschlossen, mich neben Spätburgundern auch mit entsprechender Fachliteratur einzudecken. Voller Vorfreude darüber, dass Geschmack und Hirn schon bald neue Sphären der Kennerschaft erreichen würden, schloss ich den Browser.

So wie es viele Normalos tun, beziehe auch ich Teilbestände über Vicampo. Die Richter des Geschmacks sind hier die beiden Profi-Verkoster Carsten Stammen und Thommy Witteck. Stammen ist der alte Hase, Witteck der junge Hüpfer. Im Geheimen entschloss ich mich dazu, den reifen Stammen zu meinem Mentor, zu wählen. Ich wollte wissen, was er weiß und kaufte.

Das erste Buch sollte mein letztes sein. Voller Wut habe ich es noch am gleichen Tag zurück geschickt. Daher nur einige Impressionen, die ich noch im Kopf habe: Alexander Schreck, Armin Dörr, Carsten M. Stammen: So kochen junge Winzer: Weine und Rezepte der Generation Riesling, 2016.

Das Buch ist ziemlich billig gemacht, Cover erinnert an Systemgastronomie (Szene-Bar). Die Rezepte der »Generation Riesling« sind alle samt einfallslos und unkreativ. Da vergeht einem auch die Lust auf die Weine, die nebenbei ganz albern in Szene gesetzt werden: rechte Seite Rezept – linke Seite überdimensionierte Abbildung einer Weinflasche zusammen mit einigen Zutaten, die entweder um die Flasche drapiert sind oder aber in der Luft herum schwirren – Zwiebeln, Brokkoli, Pilze, Kartoffeln. Es drängt sich dem Leser unweigerlich der Gedanke auf, man hat es hier mit einem Fachbuch für Kochweine zu tun. Die Etiketten, die hier wohl in Szene gesetzt werden sollen, sind jetzt auch nichts Besonderes. Das Konzept des Buches ist auch vollkommener Unsinn: »Die Kombination von einem traditionellen Kochrezept … und einer konkreten Weinempfehlung … ist etwas Besonderes«. Wie soll denn das in der Praxis aussehen? Ich beschließe, mir Frühlingsrollen zu machen und bestelle dann erst einmal den empfohlenen Wein? Das ist doch Quatsch und macht auch niemand! Seltsam ist auch, dass sich einer der Herausgeber (Alexander Schreck) auf die Fahne schreibt, Geschäftsführer der Marketing-Agentur Weinkommunikation , also ebenfalls Profi, zu sein. Es ist doch wirklich eine Gemeinheit, wie diese professionellen Wein-Marketing-Agentur-Menschen einerseits die Winzer in Verruf bringen und sich auf der anderen Seite über uns unwissende und gutgläubige Dilettanten lustig machen und uns neben noch den letzten Groschen aus der Tasche ziehen wollen. Als hätten wir keinen kritischen Verstand!

Letztlich bin ich auch von Carsten Stammen enttäuscht, dass er seinen guten Namen, der uns unreifen Trinkern stets Leuchtturm des guten Geschmacks war, für solch einen Schund hergibt. Wer solche Bücher macht, dem kann man nicht folgen!