Schirmherrschaft

3–2–1 Prost! – Reflexionen eines Motorsportlers

Sicher ist Trunkenheit im Verkehr eine Ordnungswidrigkeit. Da aber wie so oft auch hier Rechtsnorm und Realität nicht unerheblich auseinanderklaffen, verwundert es nicht, dass gerade unter den Königen ihrer Bereiche eine innige Beziehung besteht. Die Rede ist von der »Krone der Rebe«, dem Signature Beverage dieser Blogsite, und dem Höchsten der Gefühle in Sachen Mobilität: dem Rennsport. Hier wie dort kitzeln Ingenieure und/oder Kellermeister das Äußerste aus ihren Schützlingen heraus, tunen etwa den Wein immer noch besser, verkürzen den Bremsweg, ölen die Gangschaltung oder kuvertieren zwei Jahrgänge. Doch damit nicht genug.

Von einem guten Rennwagen sagt man, er müsse schnittig sein. Nun ist Schnittigkeit auch eine Eigenschaft, die manchem Spätburgunder zum Vorteil gereicht. Nicht nur schneidet der Winzer den Weinstock. Man denke auch an die Holzfässer besonders der großen Spätburgunder, etwa aus Baden oder von der Ahr. Natürlich, das wird jeder Küfer bestätigen, wird das Holz der Fässer geschnitten (oder geschnitzt), bevor es den Wein fassen kann. Nicht von ungefähr hat sich auch im Raserjargon die Wendung: »Holz geben« als Kommando für das Gasgeben eingebürgert. Auch hier schließt sich der Kreis zurück ins Glas, da es aus chemiekalischer Sicht nichts anderes als eben Gase sind, die der Weintrinker als »Bukett« so sehr schätzt.

Die Fässer ähneln damit nicht nur in ihrer Form den für das Vorankommen des Piloten so wichtigen Rädern. Sie bringen den Wein voran, begleiten ihn auf seiner »Fahrt« durch die Jahrzehnte. Auf die Räder montiert der Garagenmeister die Reifen. Und wieder finden wir den Link zum Wein, der in seinen Fässern nichts anderes tut als eben dieses: Reifen. Die Geschwindigkeit mag in anderen Skalen gemessen werden, doch ist sie nicht nur Attribut beim Autorennen, sondern auch bei der Weinverkostung, wo wir solchen Weinen, die den Trinker dazu zu bewegen wissen, sein Glas zügig zu leeren, einen besonderen Trinkfluss zuschreiben. Der Spätburgunder ist hier oft eine Nasenlänge voraus, die aerodynamischen Qualitäten der Burgunderflasche tun ihr übriges, so dass er selbst hochkarätige Weine leicht abhängt, wenn diese etwa nur in der Schlegelflasche unterwegs sind. Durch ihren tiefen Schwerpunkt liegt die Burgunderflasche auch bei Regenwetter gut in der Hand, während etwa Weine im Bocksbeutel arg ins Schlittern geraten können. Bei Wein wie Rennsport gilt hier freilich die Maxime: Geschwindigkeit ist nicht alles. Ein Glas Spätburgunder am Steuer kann selbst erfahrenen Piloten helfen, die Feinheiten der Situationen besser einzuschätzen und hat schon machen Sieg nachhause geholt.

Nicht vergessen darf man das Terroir, das A und O jedes guten Weins und Rennens: Schiefer, Kalkmergel, Nürburgring und Muschelkalk bestimmen Mineralität und Charakter und bringen Abwechslung und Tiefe in den Genuss. Man stelle sich nur vor, ein Rennfahrer müsste Zeit seines Lebens wieder und wieder auf der selben Rennstrecke zirkulieren – da käme wenig Genuss auf. Und so müssen Rennfahrer wie Winzer ihren »Boden« kennen und das beste aus ihm herausholen.

Über all die Euphorie sollte man – auch dazu einmal ein Wort in einem dezidierten Weinblog – die gesundheitlichen Risiken solchen Genusses nicht unerwähnt lassen. Nicht nur Rennprofis wie Niki Lauda können ein Lied davon singen, dass Rennsport und Wein bedacht genossen werden sollten. Einen kleinen aber feinen Unterschied kann man hier beim Einsatz der so genannten »Fahne« feststellen, die beim Autorennen den sprichwörtlichen Startschuss signalisiert, beim Weintrinker aber eher als Schlussakkord einer strapazenreichen Verkostung bemerkbar wird.

Am Ende bleibt der Wettkampf. Grand Prix und Gault & Millau sind hier nur zwei der bekannteren Vergleichsveranstaltungen. Es locken Pokale und Medaillen für die Spitze ihrer jeweiligen Disziplinen. Der Erfolg wird im Wein- wie im Rennwesen regelrecht zelebriert. Man liebt die Feier der hervorragenden Persönlichkeiten, die mit Eichenlaub und Siegertreppchen geehrt werden, sei es nun der Erste eines Race oder die regional triumphierende Weinkönigin.

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